Militärschützen Oberbuchsiten im Aufwind

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Im Jahre 1876 wurde die Schützengesellschaft Oberbuchsiten gegründet, nachdem 1874 durch die Bundesverfassung das Obligatorische Schiessen ausser Dienst eingeführt worden war. Während der Jahre 1876 bis 1892 wechselte die Schützengesellschaft verschiedentlich den Namen, bis 1892, verbunden mit einer Abspaltung, die Militärschützen Oberbuchsiten entstanden. Bestehend aus einer Sektion Gewehr (300 m), einer Sektion Pistole (50m und 25m) sowie der alten Garde zählt der Verein rund 270 Mitglieder.
Oberbuchsiten SO liegt am Jurasüdfuss, nahe dem Autobahnkreuz Egerkingen. Als Ortschaft eher unbekannt, aber in Schützenkreisen erreichten die Militärschützen eine grosse Bekanntheit.

Aktivitäten, die den Verein bekannt machten
Alljährlich führen wir das "Tiefmattschiessen" durch. Der bekannte Schützenanlass fand letztes Jahr bereits zum 70. Mal statt. Anfänglich ein Bergschiessen auf den Jurahöhen, zügelten wir vor nunmehr 15 Jahren ins Dorf und schiessen auf unserer Anlage. Über 1000 Schützen absolvieren jeweils den Wettkampf um Kranz und Rang auf den drei Distanzen 300m, 50m und 25m. Der Anlass ist ein Eckstein in unserem Vereinsjahr sowie im Kalender vieler Schützen.

Unvergessener Emil Lüthy
Vielen Schützen, vor allem älteren Jahrganges, ist Oberstbrigadier Emil Lüthy (1903-1984) noch in lebhafter Erinnerung. Er war zeitlebens Mitglied der Militärschützen Oberbuchsiten. Anfänglich Instruktionsoffizier, betreute er später als Oberstbrigadier im EMD das ausserdienstliche Schiesswesen. Selber ein begeisterter Gewehrschütze, war er durch seine kollegiale und loyale, herzliche Art weit bekannt. Durch seine Verbindungen zum Militär und zum gesamtschweizerischen Schiesswesen brachte er mit Elan und Initiative viele Anregungen in unser Vereinsleben ein, von denen wir heute noch profitieren. Sein Bruder Walter Lüthy präsidierte den Verein von 1926 bis 1960. Mit Fritz Brechbühl übernahm erneut ein initiativer und tatkräftiger Präsident das Zepter. In seine Amtszeit (1960 - 1985) fällt auch das 28. Solothurner Kantonalschützenfest. Die Militärschützen, mit Fritz Brechbühl als OK-Präsidenten führten diesen Grossanlass dezentral auf neun Schiessanlagen im Umkreis von vier Kilometern durch.

Ab Mitte der siebziger Jahre erlernten junge Aktivschützen das Karabinerschiessen. Bald wurden sie in die Gruppe Tiefmatt integriert. Seriöses Training, Matchschiessen, viele Wettkämpfe vereinsintern sowie der gezielte, häufige Besuch auswärtiger Schützenfeste ergaben bald einmal schöne Erfolge. Und im Jahre 1982 schafften wir in der Besetzung Bader, Koller, Peier, Studer, Trösch sogar den Einzug in den GM-Final in Olten! Für die Gruppe Tiefmatt-Standard organisiert Jörg Büttiker alljährlich die Teilnahme an gegen 40 Schützenfesten im Grossraum Solothurn, Aargau, Bern, Luzern und Jura. Viele gute Gruppenränge und Einzelrangierungen sorgen für Bekanntheit und Motivation.

Im Aufwind
Mit dem Aufschwung der Einzelschützen und der Gruppen wandelte sich auch die Sektion. 1979, am ESF in Luzern starteten wir noch in der 3. Kategorie, stiegen auf und besuchten das ESF in Chur mit mittelmässigem Erfolg. Mit neuen Trainingsmethoden, straffer Organisation und Wettkampfglück schafften die Militärschützen Oberbuchsiten 1990 am ESF in Winterthur den Aufstieg in die 1. Kategorie. Und dort wollen sie sich als kleine Landsektion auch etablieren! In Thun gelang dies 1995 mit einem feinen 18. Rang unter 237 Sektionen. In sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht steht der Verein auf einer guten Basis. Jedes Jahr gelingt es, junge talentierte Schützen in die Sektion zu integrieren. Einige Frauen schiessen regelmässig gute Resultate und verteidigen ihren Stammplatz an den entsprechenden Wettkämpfen. Wenn dann etwas kürzer getreten wird, finden verdiente Schützen und Schützenfrauen Aufnahme in der alten Garde. Ein attraktives Jahresprogramm sorgt dafür, dass die älteren Semester dem Verein und dem Schiesssport verbunden bleiben. Einen grossen Zustupf an Geld und Munition steuert die alte Garde alljährlich der Juniorenförderung bei.

Zukunftssorgen
Doch was ist ein Verein ohne gute Seele? Heinz Stalder, seit 1986 Präsident, leistet ein enormes Arbeitspensum zum Wohle von uns Militärschützen. Selber nicht Aktivschütze, leitet er den Verein umsichtig und versieht so nebenbei weitere Chargen wie Obmann "Tiefmattschiessen" und Wirt. Unterstützt von seiner Frau Regina sorgt er in der Schützenstube für einen heimeligen Ort der Kameradschaft und Geselligkeit. Geneigte Leser haben es bemerkt: Heinz Stalder ist in 70 Jahren Vereinsgeschichte erst der dritte Präsident!
Die Militärschützen schiessen auf einer Anlage, die sich in ihrem Besitze befindet. Mehrmals renoviert, mit einer grossen Schützentube ausgestattet, wurden 1989 auch auf eigene Rechnung sechs elektronische Scheiben installiert. Leider wird nun auch unsere Anlage durch die Lärmschutzverordnung tangiert. Spätestens ab dem Jahre 2002 besteht die grosse Gefahr, dass der Schiessbetrieb massiv eingeschränkt oder gar eingestellt werden muss. Die Situation erkennend, hat der Vorstand bereits 1990 eine Arbeitsgruppe eingesetzt mit dem Auftrag, das Problem zu lösen. Eine befriedigende Lösung auf Dauer kann indessen nur durch einen neuen Standort erreicht werden. Diesbezüglich steht man, zusammen mit den Gemeindebehörden, kurz vor wichtigen Grundsatzentscheiden. Wir hoffen, innerhalb der nächsten vier Jahre eine neue, zweckmässige Anlage realisieren zu können. Die Zukunft für das sportliche Schiessen wird nicht einfach. Lärmschutzverordnung, Waffengesetzgebung und der allgemeine Zeitgeist werden dafür sorgen. Doch wir Militärschützen Oberbuchsiten bemühen uns, als kleine Landsektion zu bestehen.
Anderas Bader, Oberbuchsiten

Dieser Artikel erschien im Mai 1997 im Schweizer Schützenjournal.


 

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Autor: Roland Kissling
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